Praxisszenario
Praxisszenario: Hausanschluss fürs Mehrfamilienhaus mit Wärmepumpe und Wallboxen, ohne Excel-Bilanz
Ein modellhaftes Szenario aus typischen Arbeitsabläufen deutscher Planungsbüros, kein Kundenbericht. Die Zahlen sind als Beispielrechnung gekennzeichnet.
Wie kommt ein kleines Planungsbüro beim Neubau eines Mehrfamilienhauses mit zwölf Wohneinheiten, zentraler Wärmepumpe, Aufzug, sechs Ladepunkten und Photovoltaik zu einer belastbaren Anschlussleistung? Nach DIN 18015-1:2020-05 liefern die Bedarfskurven aus Anhang A die gleichzeitige Grundlast der Wohnungen, alle davon abweichenden Lasten werden separat angesetzt, und die Photovoltaik senkt den Bezug nicht, weil der Bemessungsfall die Winter-Abendspitze ist. Dieses Szenario zeigt, wie diese Bilanz statt in einer handgepflegten Excel-Vorlage in der Leistungsbilanz von BimWired entsteht: als Eingabemaske mit Live-Ergebnis (S_max, Bemessungsstrom, empfohlene NH-Sicherung samt Rechenweg) und als PDF-Bericht für die Abstimmung mit dem Netzbetreiber. Ein Revit-Modell ist dafür nicht nötig.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bedarfskurven aus Anhang A der DIN 18015-1 liefern die gleichzeitige Grundlast der zwölf Wohneinheiten. Alles, was vom haushaltsüblichen Bezug abweicht (Wärmepumpe, Ladepunkte, Aufzug, Photovoltaik), wird separat angesetzt.
- Die häufigste Falle ist die Doppelrechnung: Haushaltsgeräte stecken bereits in den Bedarfskurven und dürfen nicht zusätzlich als Sonderlast auftauchen.
- Photovoltaik senkt die berechnete Anschlussleistung nicht (Bemessungsfall Winter-Abendspitze); erfasst wird sie trotzdem, mit Scheinleistung und Einspeiserichtung.
- Im Szenario ersetzt die Leistungsbilanz von BimWired (Pro-Lizenz) die Excel-Vorlage: Eingaben je Posten, live dazu S_max, Bemessungsstrom und NH-Empfehlung samt Rechenweg, am Ende ein PDF-Bericht mit Firmenkopf.
- Die Beispielrechnung unten kommt konservativ auf rund 7 gesparte Stunden je Projekt. Die Pro-Lizenz trägt sich darüber allein nicht; sie rechnet sich über das Bündel aus Bilanz, Stromkreisen und Verteilerplan.
Ausgangslage: die Bilanz lebt in einer geerbten Excel-Datei
Das Szenario: Ein Planungsbüro mit drei Personen und Schwerpunkt Wohnungsbau übernimmt die Elektroplanung für ein neues Mehrfamilienhaus. Zwölf Wohneinheiten, eine zentrale Wärmepumpe mit Heizstab, ein Aufzug, sechs Ladepunkte in der Tiefgarage, Photovoltaik auf dem Dach. Der Netzbetreiber will früh wissen, welche Anschlussleistung das Gebäude braucht.
Die Bilanz dafür lebt bisher in einer Excel-Vorlage, die ein früherer Kollege einmal aufgesetzt hat. Sie funktioniert, solange das Projekt aussieht wie das Projekt, für das sie gebaut wurde. Bei jedem neuen Planstand zieht das Büro Zellen von Hand nach, und an drei Stellen bleibt es regelmäßig unsicher: Welcher Gleichzeitigkeitsansatz ist für zwölf Einheiten realistisch? Wie gehen Wärmepumpe, Aufzug und Ladepunkte in die Rechnung ein, ohne dass etwas doppelt zählt? Und was macht die Photovoltaik mit dem Ergebnis?
Diese Unsicherheit ist typisch, nicht individuell. In einer Forendiskussion auf elektrikforum.de (Juni 2023) zur Dimensionierung eines Mehrfamilienhaus-Anschlusses zweifelt der Fragesteller an einem Gleichzeitigkeitsfaktor von 0,4 auf 78 kW und fragt, ob die Werte der DIN 18015 bindend sind, wie Wärmepumpe und Aufzug einzurechnen sind und ob 63 A künftige Wallboxen tragen. Die Initiative ELEKTRO+ erklärt die Auslegung über das Wohneinheiten-Diagramm in Anhang A der DIN 18015-1 (Gleichzeitigkeitsfaktor zwischen 0 und 1) und betont, dass alle vom haushaltsüblichen Bezug abweichenden Lasten wie Wärmepumpe, Ladeeinrichtung und Photovoltaik separat zu bewerten sind. Die Grundlagen sind also öffentlich erklärt; was fehlt, ist der Weg vom konkreten Projekt zur fortgeschriebenen Bilanz. Die Normseite vertieft der Artikel Leistungsbilanz nach DIN 18015-1.
Dazu kommt: Solche Projekte sind der neue Normalfall. Seit dem 1. Januar 2024 gilt laut Bundesnetzagentur der § 14a EnWG für neue steuerbare Verbrauchseinrichtungen über 4,2 kW wie Wärmepumpen und private Wallboxen; der Netzbetreiber darf sie im Engpassfall temporär auf 4,2 kW dimmen, den Anschluss aber nicht mehr wegen möglicher Netzüberlastung verweigern. Wärmepumpe und Ladepunkte gehören damit in fast jede neue Bilanz. Und die entsteht vielerorts weiter in Tabellen: In einer eigenen Auswertung von 192 Zielkunden-Profilen von Elektro- und TGA-Planungsbüros aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (Stand August 2026) nannten 32 Excel- und Listenhandarbeit neben dem Planungswerkzeug.
Der Weg: vom Projektstart zum unterschriftsreifen Bericht
Die Leistungsbilanz ist ein Modul der Pro-Lizenz von BimWired und entsteht vollständig im Browser; ein Revit-Modell ist nicht erforderlich. So läuft das Szenario ab:
- Projekt anlegen, Rahmen setzen. Das Büro legt das Projekt im Editor an und öffnet die Kachel „Leistungsbilanz". Gebäudetyp Mehrfamilienhaus, Netzbetreiber auswählen: Der Editor bringt Referenzwerte nach VDE-AR-N 4100 und TAB 2023 mit, verbindlich bleibt die örtliche TAB. Dazu eine Reserve für das, was später noch dazukommt.
- Wohneinheiten erfassen. Die zwölf Einheiten kommen als Typen mit Zimmerzahl, Fläche und Anzahl in die Maske. Warmwasser läuft im Szenario zentral über die Wärmepumpe, also gilt Kurve B (ohne elektrische Warmwasserbereitung). Zwei Einheiten haben zusätzlich einen Durchlauferhitzer im Duschbad: Diesen Mischfall rechnet der Editor als Kurve B plus Kurvendifferenz für die betroffenen Wohnungen. Das Diagramm von Hand abzulesen entfällt.
- Sonderlasten ansetzen. Die Wärmepumpe wird mit Heizstab erfasst, samt der Angabe, ob beide gleichzeitig laufen dürfen oder verriegelt sind; diese Betriebsart entscheidet mit über die Spitze. Dazu kommen Aufzug, Allgemeinstrom, die sechs Ladepunkte als Ladeeinrichtungen und bei Bedarf freie Sonderlasten für alles, was das Projekt sonst mitbringt. Die Photovoltaik wird mit der Scheinleistung des Wechselrichters und ihrer Einspeiserichtung eingetragen; den berechneten Bezug senkt sie nicht.
- Ergebnis live prüfen. Neben der Eingabe stehen jederzeit Bilanztabelle, Bedarfskurve, S_max, Bemessungsstrom und die empfohlene NH-Sicherung, dazu Prüfhinweise und der vollständige Rechenweg. Jeder Posten ist mit seinem Ansatz sichtbar, nichts verschwindet in einer Zellformel. Ändert sich der Planstand (zwei Ladepunkte mehr, eine größere Wärmepumpe), ändert das Büro Werte, keine Formeln.
- Bericht herausgeben. Für die Abstimmung mit dem Netzbetreiber erzeugt der Editor ein mehrseitiges Vektor-PDF im A4-Format mit Firmenkopf und Unterschriftenzeilen; CSV und JSON gehen zur Ablage in den Projektordner.
- Weiterarbeiten Richtung Verteiler. Was die Bilanz bemessen hat, wird später in Stromkreise aufgeteilt und als Verteilerplan geliefert. Wie eine solche Zeichnung normseitig aussieht, beschreibt der Artikel Verteilerplan und Stromlaufplan normgerecht erstellen.
Beispielrechnung
Welche Posten die Spitze treiben
Dieses Szenario nennt bewusst keine Kilowatt-Endwerte: Jede belastbare Zahl hängt an der örtlichen TAB, der Betriebsart der Wärmepumpe und dem Ladekonzept, und eine ausgedachte Zahl sähe aus wie eine Norm-Nachrechnung, wäre aber keine. Belastbar sind die Mechanismen dahinter:
- Die Wohnungen zählen nicht mit ihrer Summe. Zwölf Einheiten gehen über die Bedarfskurve ein, nicht über die Addition ihrer Einzellasten. Im Editor steckt diese Kurvenlogik hinter den Kurven A und B samt Mischfall.
- Die Spitze treiben die Sonderlasten. Im Szenario sind das vor allem die Wärmepumpe (mit der Frage, ob der Heizstab verriegelt ist oder gleichzeitig laufen darf) und die sechs Ladepunkte (mit der Frage, welche Leistung je Ladepunkt angesetzt wird). Aufzug und Allgemeinstrom sind daneben klein, gehören aber vollständig hinein.
- Die Doppelrechnungs-Falle. Herd, Backofen und Waschmaschine stecken bereits in den Bedarfskurven. Wer sie zusätzlich als Sonderlast einträgt, rechnet doppelt und bemisst zu groß. In einer gewachsenen Excel-Vorlage rutscht so etwas leicht durch; im offen gelegten Rechenweg steht jeder Posten an genau einer Stelle.
- Photovoltaik ändert den Bezug nicht. Der Bemessungsfall ist die Winter-Abendspitze, in der die Anlage nichts liefert. Die PV wird deshalb mit Scheinleistung und Einspeiserichtung erfasst, das Bezugsergebnis bleibt davon unberührt.
- Am Ende steht eine Planungsgrundlage. S_max, Bemessungsstrom und die empfohlene NH-Sicherung beantworten die Forenfrage (reicht der Anschluss auch mit künftigen Wallboxen?) projektkonkret statt pauschal; verbindlich wird es erst mit der Anschlusszusage des Netzbetreibers.
Excel-Pflege gegen Editor-Eingabe: die Gegenrechnung
Die folgende Gegenrechnung ist eine Beispielrechnung mit eigenen, bewusst konservativen Annahmen. Es sind Schätzwerte, keine Messwerte und keine Kundendaten.
| Posten | Annahme | Einordnung |
|---|---|---|
| Excel-Bilanz je Projektstand | 3,0 h | untere Kante der eigenen Schätzung (3 bis 4 h); Fehlersuche nicht eingerechnet |
| Planstände je Projekt | 3 | Entwurf, Genehmigung, Ausführung; eher niedrig angesetzt |
| Aufwand Excel je Projekt | 9,0 h | 3 Stände × 3,0 h |
| Ersteingabe im Editor | 1,0 h | eigene Schätzung |
| Je weiterem Stand im Editor | 0,5 h | großzügig angesetzt; oft sind es Minuten |
| Aufwand Editor je Projekt | 2,0 h | 1,0 h + 2 × 0,5 h |
| Ersparnis je Projekt | 7,0 h | Differenz der beiden Wege |
| Kalkulatorischer Stundensatz | 85 € netto | eigene, konservative Annahme |
| Vergleichbare Projekte je Jahr | 5 | Drei-Personen-Büro mit Wohnungsbau-Schwerpunkt |
| Ersparnis je Jahr | rund 35 h bzw. 2.975 € | 5 × 7,0 h × 85 € |
Konservativ gerechnet spart der Editor-Weg also rund 35 Stunden im Jahr, kalkulatorisch etwa 2.975 €. Dem steht die Pro-Lizenz mit 4.990 € netto je Nutzer und Jahr gegenüber. Die ehrliche Einordnung: Über die Leistungsbilanz allein rechnet sich diese Lizenz bei diesen Annahmen nicht. Sie ist als Bündel gedacht: Dieselbe Pro-Lizenz enthält das Stromkreis-Modul und die Verteilerplan-Ausgabe, also genau die Schritte, die im Projekt auf die Bilanz folgen. Wie viel Doppelarbeit dort steckt, zeigt das Praxisszenario zum Verteilerplan. Pro braucht dabei nur der Arbeitsplatz, der Bilanz und Pläne tatsächlich bearbeitet.
Was davon übertragbar ist
- Wohnbau zuerst. Die DIN 18015-1 ist eine Norm für elektrische Anlagen in Wohngebäuden; ihre Bedarfskurven gelten für Wohneinheiten. Gewerbeflächen im Haus bildet der Editor über W/m²-Planungswerte mit eigener Gleichzeitigkeit ab. Branchenspezifische Lastprofile (Bäckerei, Praxis, Kühlhaus) sind das nicht; dort bleibt die Lastannahme Ingenieurarbeit.
- Planungsgrundlage, keine Genehmigung. Verbindlich sind die örtliche TAB und die Anschlusszusage des Netzbetreibers. Der Bericht ist die Unterlage für diese Abstimmung, er ersetzt sie nicht.
- Kein Lastmanagement im Werkzeug. Der Editor simuliert kein Lastmanagement. Welche Leistung für die sechs Ladepunkte angesetzt wird (volle Anschlussleistung oder ein mit dem Netzbetreiber abgestimmter, gesteuerter Wert), bleibt eine planerische Entscheidung und gehört im Projekt dokumentiert.
- Ohne Modell nutzbar. Weil die Bilanz kein Revit-Modell braucht, funktioniert der Weg auch in frühen Leistungsphasen und in Büros, die noch nicht in Revit modellieren.
Häufige Fragen
Braucht die Leistungsbilanz in BimWired ein Revit-Modell?
Nein. Die Bilanz entsteht vollständig im Browser-Editor, aus Eingaben zu Wohneinheiten und Sonderlasten. Ein Revit-Modell wird erst für die späteren Schritte interessant, wenn Stromkreise aus dem Modell gesammelt und Verteilerpläne erzeugt werden.
Warum senkt die Photovoltaik die berechnete Anschlussleistung nicht?
Weil der Bemessungsfall die Winter-Abendspitze ist: Dann laufen Wärmepumpe und Ladepunkte, die Photovoltaik liefert aber nichts. Die Anlage wird trotzdem mit Wechselrichter-Scheinleistung und Einspeiserichtung erfasst, der berechnete Bezug bleibt davon unberührt.
Ersetzt der PDF-Bericht die Abstimmung mit dem Netzbetreiber?
Nein. Die Leistungsbilanz ist eine Planungsgrundlage; verbindlich sind die örtliche TAB und die Anschlusszusage des Netzbetreibers. Der Bericht mit Firmenkopf, vollständigem Rechenweg und Unterschriftenzeilen ist die Arbeitsunterlage, mit der Sie in diese Abstimmung gehen.
Welche Lizenz braucht die Leistungsbilanz?
Sie ist Teil der Pro-Lizenz für 4.990 € netto je Nutzer und Jahr, gemeinsam mit dem Stromkreis-Modul und der Verteilerplan-Ausgabe. Pro braucht nur der Arbeitsplatz, der diese Module tatsächlich nutzt. Der Test ist 14 Tage kostenlos; der Zugang läuft derzeit über eine Warteliste.
Quellen
- elektrikforum.de: „Dimensionierung Hausanschluss Mehrfamilienhaus" (Forendiskussion, Juni 2023). https://www.elektrikforum.de/threads/dimensionierung-hausanschluss-mehrfamilienhaus.43084/ (abgerufen am 25.08.2026)
- Initiative ELEKTRO+: „Auslegung des Hauptstromversorgungssystems". https://www.elektro-plus.com/elektroplanung/dimensionierung-netzanschluss/auslegung-hauptstromversorgungssystem (abgerufen am 25.08.2026)
- „Elektroplanung in Wohngebäuden", Zeitschrift de, Ausgabe 12/2020 (Volltext-PDF zu den Kernanforderungen der DIN 18015-1:2020-05). https://www.elektro.net/media/file/Kwqzk199w7/fd7e48cc/DE_12_2020_31-34_EA42neu.pdf (abgerufen am 25.08.2026)
- Bundesnetzagentur: „Steuerbare Verbrauchseinrichtungen (§ 14a EnWG)", Verbraucherportal. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/Energie/SteuerbareVBE/start.html (abgerufen am 25.08.2026)
- BauNetz Wissen: „Leistungsbedarf und Anschlusswert". https://www.baunetzwissen.de/elektro/fachwissen/grundinstallationen/leistungsbedarf-und-anschlusswert-152962 (abgerufen am 25.08.2026)
Die genannte Auswertung von 192 Zielkunden-Profilen ist internes Material von BimWired (Stand August 2026) und nicht öffentlich einsehbar.
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