Praxisszenario
Praxisszenario: Verteilerpläne ohne Zweitwerkzeug, ein Elektro-Fachbüro stellt den Rundlauf um
Ein modellhaftes Szenario aus typischen Arbeitsabläufen deutscher Planungsbüros, kein Kundenbericht. Die Zahlen sind als Beispielrechnung gekennzeichnet.
Ein Elektro-Fachbüro mit acht Personen plant seit zwei Jahren in Revit, zeichnet seine Verteilerpläne aber weiterhin in einem CAD-Zweitwerkzeug nach Excel-Zwischenlisten. Dieses Szenario zeigt, wie derselbe Plan stattdessen als Rundlauf entsteht: Stromkreisdaten aus Revit senden, im Browser zum Verteilerplan ausarbeiten, als A3-Plansatz, Vektor-PDF und DXF ausgeben und die Ergebnisse zurück ins Modell stempeln. Eine konservative Beispielrechnung ergibt einen Break-even bei rund 67 vermiedenen Doppelarbeits-Stunden im Jahr; die Grenzen des Wegs (kein Aufbauplan, keine Allpolig-Darstellung, keine Kabelberechnung) bleiben ausdrücklich benannt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der doppelte Weg (Modell in Revit, Verteilerplan daneben im Zweitwerkzeug) ist der meistdokumentierte Zeitfresser in der Elektro-Fachplanung mit Revit: In einer eigenen Auswertung von 192 Büro-Profilen beschrieben 69 genau dieses Muster.
- Der Rundlauf ersetzt die Zwischenlisten: „Stromkreisplan senden" in Revit, Ausarbeitung im Plan-Editor im Browser, „Stromkreise übernehmen" schreibt Nummern, Sicherung, RCD und Kabel zurück ins Modell.
- Die Ausgabe ist eine aufgelöste einpolige Übersicht als A3-Plansatz (Schriftfeld nach DIN EN ISO 7200, Querverweise nach DIN EN 61082-1), dazu mehrseitiges Vektor-PDF, DXF je Blatt und QR-Etiketten für die Schränke.
- Die Beispielrechnung mit offen gelegten, konservativen Annahmen kommt für das Modellbüro auf 80 bis 120 eingesparte Stunden im Jahr, gegengerechnet mit 4.990 € netto für eine Pro-Lizenz.
- Ehrliche Grenze: Aufbauplan, Allpolig-Darstellung und Kabelberechnung (etwa Spannungsfall) liefert der Rundlauf nicht; dafür bleibt ein CAE- oder Berechnungswerkzeug zuständig.
Ausgangslage
Nehmen wir ein Büro an, wie es die Recherche vielfach dokumentiert: acht Personen, Elektro-Fachplanung für Wohn- und Gewerbebau, Revit seit zwei Jahren im Haus. Die Modelle sind ordentlich, die Planlieferungen für Grundrisse und Ansichten kommen aus Revit. Nur der Verteilerplan nicht: Nach der Entwurfsplanung exportiert das Büro Geräte- und Raumlisten nach Excel, sortiert dort Stromkreise von Hand und zeichnet die Verteilerschemata anschließend im CAD-Zweitwerkzeug neu. Jede Umplanung, ein zusätzlicher Durchlauferhitzer, eine geänderte Raumaufteilung, muss danach zweimal nachgezogen werden: einmal im Modell, einmal im Schema. Welcher Stand führt, ist im Alltag Verhandlungssache.
Diese Lage ist kein Einzelfall, sondern das am häufigsten dokumentierte Muster. In einer eigenen Auswertung von 192 Profilen von Elektro- und TGA-Planungsbüros aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (Stand August 2026) nannten 69 genau diesen Schmerz: Der Verteiler- oder Stromlaufplan entsteht neben dem Modell. Auch außerhalb der eigenen Kartei ist die Lücke gut belegt. Im Autodesk-Forum raten erfahrene Anwender für ein Einlinienschema bis heute dazu, es in einer Zeichenansicht mit Detaillinien zu zeichnen oder gleich in AutoCAD anzulegen und zu verknüpfen, ohne Modellbezug und ohne automatische Aktualisierung. Der Revit-Elektro-Spezialist BEEL hält fest, dass Revit allein die Anforderungen der DIN EN 61082 nicht vollständig erfüllt und Verteilerschemata Handarbeit erfordern. Und der CAE-Hersteller eXs vermarktet die Übergabe von Revit-Stromkreisdaten in automatisch erzeugte Verteilerpläne ausdrücklich als Schließen einer Lücke im BIM-Prozess. Dass gleich mehrere Anbieter von dieser Lücke leben, ist der vielleicht deutlichste Beleg dafür, wie verbreitet die Doppelarbeit ist.
Was fachlich in einen Verteilerplan gehört (Betriebsmittelkennzeichen, Absicherung, Querschnitt, Kabeltyp, RCD-Zuordnung) behandelt der Grundlagenartikel Verteilerplan und Stromlaufplan normgerecht erstellen. Hier geht es um den Arbeitsablauf.
Der Weg
Das Modellbüro stellt auf den Stromkreis-Rundlauf von BimWired um (Pro-Lizenz, Revit 2025 bis 2027). Das Revit-Modell bleibt dabei, wie es ist; der Ablauf hat vier Schritte.
- Senden statt exportieren. Der Revit-Befehl „Stromkreisplan senden" sammelt Leuchten, Schalter, Steckdosen und Elektrogeräte mit Raum, Ebene, Anschlussleistung (VA), Spannung und Polzahl und übergibt sie an den Plan-Editor im Browser. Die Excel-Zwischenliste entfällt. Elemente, die der Rundlauf nicht zuordnen kann, klassifiziert auf Wunsch eine KI je Familien/Typ-Paar, mit Konfidenzangabe und Vorschau; übernommen wird nur, was Sie bestätigen. Die Grundlagen dazu erklärt der Artikel Stromkreise in Revit planen.
- Aufteilen und ausarbeiten im Plan-Editor. „Automatisch aufteilen" bildet je Ebene einen Verteiler („UV EG", „UV 1. OG") und gruppiert thematisch: Licht, Steckdosen, Durchlauferhitzer, Außenbereich. Als Gruppenkopf wählt das Büro „Vorsicherung + FI": eine D0-Vorsicherung, selektiv zum größten Leitungsschutzschalter der Gruppe ausgelegt (1,6-facher Nennstrom nach DIN VDE 0100-530), plus zentraler RCD je Gruppe. Danach folgt Handarbeit wie bisher, nur am lebenden Verzeichnis statt an einer toten Zeichnung: Klemmen je Zeile (1 bis 6, „N entfällt" möglich), Unterzeilen für Abzweige ohne eigene Sicherung, Reserve-Zeilen, Kabel-Vorschläge mit Typbezeichnung (NYM-J 3x2,5 mm², im Außenbereich NYY-J). Feste, deterministische Prüfungen laufen mit: Überlast, RCD-Pflicht, Mindestquerschnitt, mit Bezügen zur DIN 18015. Die Aufteilung selbst bleibt regelbasiert und nachvollziehbar; die KI ändert nie etwas am Plan.
- Ausgeben wie eine Planlieferung. Das Ergebnis ist ein A3-Plansatz im Querformat mit Schriftfeld nach DIN EN ISO 7200 und Querverweisen nach DIN EN 61082-1: eine aufgelöste einpolige Übersicht mit Schutzorgan, Außenleitern, Klemmen und Kabel je Abgang, Revisionstabelle im Schriftfeld. Für den Planversand gibt es ein mehrseitiges Vektor-PDF, für den Schaltschrankbauer DXF je Blatt (Millimeter, Maßstab 1:1, Text bleibt Text), für die Schränke QR-Etiketten (6 je A4): Jeder Code öffnet einen widerrufbaren Lese-Link nur für diesen einen Verteiler, ohne Personennamen und Projektdaten, auf Wunsch mit Codewort geschützt.
- Zurück ins Modell. „Stromkreise übernehmen" stempelt Stromkreisnummern und je Einstellung Verteiler, Funktion, Beschreibung, Sicherung, RCD, Kabel und Phasen in die Revit-Elemente; fehlende Projektparameter legt das Plugin selbst an, ein Rückgängig-Schritt ist eingebaut. Bei der nächsten Umplanung wiederholt das Büro denselben Rundlauf, statt zwei Stände parallel zu pflegen: Das Stromkreisverzeichnis im Editor ist die führende Quelle, das Modell trägt die aktuellen Ergebnisse.
Beispielrechnung
Alle Annahmen sind eigene, bewusst konservative Schätzungen für das beschriebene Modellbüro; es liegen keine Kundenmessungen zugrunde. Rechnen Sie mit Ihren eigenen Werten nach, die Struktur bleibt gleich.
| Position | Wert | Art |
|---|---|---|
| Projekte mit Verteilerplänen im Jahr | 10 | eigene Annahme |
| Unterverteiler je Projekt | 4 (40 im Jahr) | eigene Annahme |
| Neuzeichnen je Verteiler im Zweitwerkzeug | 3,0 h | eigene Annahme |
| Änderungs-Nachpflege je Verteiler über die Projektlaufzeit | 1,5 h | eigene Annahme |
| Interner Stundensatz | 75 € | eigene Annahme |
| Aufwand im alten Ablauf | 40 x 4,5 h = 180 h, rund 13.500 € im Jahr | daraus abgeleitet |
| Verbleibender Aufwand je Verteiler im Rundlauf (Nacharbeit, Prüfung, erneutes Senden) | 1,5 bis 2,5 h | eigene Annahme |
| Eingesparte Zeit | 80 bis 120 h, rund 6.000 bis 9.000 € im Jahr | daraus abgeleitet |
| Pro-Lizenz für die planende Person | 4.990 € netto pro Nutzer und Jahr | Listenpreis |
| Rechnerischer Vorteil | rund 1.000 bis 4.000 € netto im Jahr | daraus abgeleitet |
Der Break-even liegt dort, wo die eingesparte Zeit den Lizenzpreis deckt: 4.990 € geteilt durch 75 € je Stunde ergibt rund 67 Stunden im Jahr. Je nachdem, ob je Verteiler im Schnitt zwei oder drei Stunden Doppelarbeit entfallen, ist diese Schwelle nach 23 bis 34 Verteilern erreicht, im Modellbüro also im Laufe des sechsten bis neunten Projekts eines Jahres. Ein kleineres Pensum verschiebt den Punkt deutlich: Fünf Projekte mit je zwei Unterverteilern kämen nur auf 20 bis 30 eingesparte Stunden und blieben unter der Schwelle; dann trägt die Lizenz rechnerisch erst, wenn weitere Pro-Bausteine wie die Leistungsbilanz mitgenutzt werden.
Nicht eingerechnet sind, in beide Richtungen:
- Einarbeitung und einmaliger Umstellungsaufwand, etwa Familien mit elektrischen Kenndaten zu versehen; beides verschiebt den Break-even im ersten Jahr nach hinten.
- Projektspezifische Abweichungen: Verteiler, für die der Auftraggeber eine Allpolig-Darstellung oder Aufbaupläne fordert, bleiben im CAE-Werkzeug und sparen nichts ein.
- Auf der Habenseite fehlen ebenfalls Posten: vermiedene Übertragungsfehler zwischen Excel, Schema und Modell sowie der Wert der übrigen Pro-Funktionen sind nicht beziffert.
Was davon übertragbar ist
Das Szenario überträgt sich auf andere Büros unter vier nüchternen Bedingungen:
- Ein Modell mit elektrischen Daten. Der Rundlauf braucht Revit-Familien, die Anschlussleistung, Spannung und Polzahl tragen und Räumen und Ebenen zugeordnet sind. Wie eine solche Bibliothek als Firmenstandard entsteht, beschreibt der Artikel Revit-Familienbibliothek für die TGA aufbauen.
- Das Stromkreisverzeichnis als führende Quelle. Der Gewinn entsteht erst, wenn Änderungen über den Rundlauf laufen statt am Modell vorbei im Zweitwerkzeug. Das ist Arbeitsorganisation, keine Technik, und der Teil der Umstellung, der Disziplin kostet.
- Eine Pro-Lizenz für die planende Person. Stromkreis-Modul und Verteilerplan-Ausgabe sind Teil der Pro-Stufe (4.990 € netto pro Nutzer und Jahr); die Beispielrechnung setzt genau eine solche Lizenz an.
- Die Grenzen akzeptieren. Der erzeugte Plan ist eine aufgelöste einpolige Übersicht nach DIN EN 61082-1, kein vollständiger Installationsplan und keine interne Geräteverdrahtung. Aufbauplan des Schranks, Allpolig-Darstellung und Kabelberechnung (Spannungsfall, Selektivität) liefert der Rundlauf nicht; wo sie gefordert sind, bleibt das bisherige Werkzeug für diese Blätter im Einsatz.
Häufige Fragen
Ersetzt der Rundlauf eine CAE-Software vollständig?
Nein. Er erzeugt Stromkreisverzeichnisse und aufgelöste einpolige Übersichten als Planlieferung, dazu Vektor-PDF, DXF und QR-Etiketten. Aufbaupläne, Allpolig-Darstellungen und Kabelberechnungen bleiben Aufgaben für CAE- oder Berechnungswerkzeuge. Für Projekte, in denen die einpolige Übersicht als Verteilerdokumentation genügt, reicht der Rundlauf ohne Zweitwerkzeug.
Welche Lizenz braucht dieses Szenario?
Eine Pro-Lizenz für die Person, die Stromkreise plant und den Verteilerplan ausgibt (4.990 € netto pro Nutzer und Jahr, Jahreslizenz). Der Zugang läuft derzeit über eine Warteliste; nach der Freischaltung lässt sich BimWired 14 Tage kostenlos testen.
Was muss das Revit-Modell mitbringen?
Familien mit elektrischen Kenndaten (Anschlussleistung in VA, Spannung, Polzahl) und eine saubere Raum- und Ebenenzuordnung. Elemente, die der Rundlauf nicht erkennt, lassen sich per KI-Vorschlag je Familien/Typ-Paar klassifizieren; die Vorschläge zeigen eine Konfidenz und werden nur nach Ihrer Bestätigung übernommen.
Was passiert bei einer Umplanung?
Derselbe Rundlauf noch einmal: aus Revit senden, im Plan-Editor nacharbeiten, mit „Stromkreise übernehmen" zurückschreiben. Es gibt keinen zweiten Planstand, der separat nachgezogen werden muss; das Verzeichnis im Editor führt, das Modell trägt die aktuellen Nummern und Parameter. Für das Zurückschreiben gibt es einen Rückgängig-Schritt.
Quellen
- Autodesk Community, Revit MEP Forum: Electrical single line diagram. https://forums.autodesk.com/t5/revit-mep-forum/electrical-single-line-diagram/td-p/8667884 (abgerufen am 25.08.2026)
- BEEL: Revit Stromlaufplan. https://www.beel.de/revit/revit-stromlaufplan/ (abgerufen am 25.08.2026)
- eXs: Elektroplanung in BIM-Projekten. https://www.exs-cae.com/elektroplanung-in-bim-projekten/ (abgerufen am 25.08.2026)
Die Auswertung der 192 Büro-Profile ist internes Material von BimWired (Stand August 2026) und nicht öffentlich verlinkbar.
Den Rundlauf selbst prüfen
Weiterlesen
Wenn Sie den Rundlauf mit einem eigenen Projekt prüfen möchten: Der Zugang zu BimWired läuft derzeit über eine Warteliste, nach der Freischaltung beginnt der Einstieg mit 14 Tagen Testzeitraum.
Tragen Sie sich auf der Warteliste ein; die Lizenzstufen stehen transparent auf der Preisseite.