Praxisszenario: Verteilerpläne ohne Zweitwerkzeug, ein Elektro-Fachbüro stellt den Rundlauf um

Praxisszenario Aktualisiert 25. September 2026 7 Min. Lesezeit Rowan Hamid

Ein modellhaftes Szenario aus typischen Arbeitsabläufen deutscher Planungsbüros, kein Kundenbericht. Die Zahlen sind als Beispielrechnung gekennzeichnet.

Ein Elektro-Fachbüro mit acht Personen plant seit zwei Jahren in Revit und zeichnet seine Verteilerpläne trotzdem in einem CAD-Zweitwerkzeug, mit Excel-Listen als Zwischenschritt. In diesem Szenario entsteht derselbe Plan als Rundlauf: Stromkreisdaten aus Revit senden, im Browser zum Verteilerplan ausarbeiten, als A3-Plansatz, Vektor-PDF und DXF ausgeben, die Ergebnisse zurück ins Modell stempeln. Eine konservative Beispielrechnung ergibt einen Break-even bei rund 67 vermiedenen Doppelarbeits-Stunden im Jahr. Was der Weg nicht liefert (Aufbauplan, Allpolig-Darstellung, Kabelberechnung), steht ebenfalls drin.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der doppelte Weg, Modell in Revit und Verteilerplan daneben im Zweitwerkzeug, ist einer der am häufigsten dokumentierten Zeitfresser in der Elektro-Fachplanung mit Revit. In unserer eigenen Ansprache-Kartei haben wir bei 69 von 192 Büro-Profilen genau dieses Muster notiert. Der Vermerk stammt von uns, nicht von den Büros.
  • Der Rundlauf macht die Zwischenlisten überflüssig: „Stromkreisplan senden" in Revit, Ausarbeitung im Plan-Editor im Browser, „Stromkreise übernehmen" schreibt Nummern, Sicherung, RCD und Kabel ins Modell zurück.
  • Die Ausgabe ist eine aufgelöste einpolige Übersicht als A3-Plansatz (Schriftfeld nach DIN EN ISO 7200, Querverweise nach DIN EN 61082-1), dazu mehrseitiges Vektor-PDF, DXF je Blatt und QR-Etiketten für die Schränke.
  • Die Beispielrechnung mit offen gelegten, konservativen Annahmen kommt für das Modellbüro auf 80 bis 120 gesparte Stunden im Jahr, gegengerechnet mit 4.990 € netto für eine Pro-Lizenz.
  • Aufbauplan, Allpolig-Darstellung und Kabelberechnung (etwa Spannungsfall) liefert der Rundlauf nicht. Dafür bleibt ein CAE- oder Berechnungswerkzeug zuständig.

Ausgangslage

Das Büro, das ich hier annehme, taucht in der Recherche in dieser Form immer wieder auf: acht Personen, Elektro-Fachplanung für Wohn- und Gewerbebau, Revit seit zwei Jahren im Haus. Die Modelle sind ordentlich, Grundrisse und Ansichten kommen als Planlieferung aus Revit. Nur der Verteilerplan nicht. Nach der Entwurfsplanung exportiert das Büro Geräte- und Raumlisten nach Excel, sortiert dort die Stromkreise von Hand und zeichnet die Verteilerschemata im CAD-Zweitwerkzeug neu. Jede Umplanung, ein zusätzlicher Durchlauferhitzer, eine geänderte Raumaufteilung, wird danach zweimal nachgezogen: im Modell und im Schema. Welcher Stand führt, ist im Alltag Verhandlungssache. Ich habe das lange selbst so gemacht.

Das ist kein Einzelfall. Es gehört zu den Mustern, die uns in der eigenen Ansprache-Kartei am häufigsten begegnet sind: Wir haben bei BimWired 192 öffentlich zugängliche Profile und Internetauftritte von Elektro- und TGA-Planungsbüros aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgesehen (Stand August 2026) und dabei je Büro notiert, welcher Ansatzpunkt für ein Anschreiben passt. Bei 69 Profilen haben wir vermerkt, dass der Verteiler- oder Stromlaufplan neben dem Modell entsteht. Das ist unsere Einschätzung aus dem, was diese Büros veröffentlichen, keine Aussage der Büros selbst, und die Kartei ist weder repräsentativ noch neutral erhoben. Auch außerhalb unserer Kartei ist die Lücke gut belegt. Im Autodesk-Forum raten erfahrene Anwender bis heute, ein Einlinienschema in einer Zeichenansicht mit Detaillinien zu zeichnen oder gleich in AutoCAD anzulegen und zu verknüpfen, ohne Modellbezug und ohne automatische Aktualisierung. Der Revit-Elektro-Spezialist BEEL hält fest, dass Revit allein die Anforderungen der DIN EN 61082 nicht vollständig erfüllt und Verteilerschemata Handarbeit bleiben. Der CAE-Hersteller eXs wirbt für die Übergabe von Revit-Stromkreisdaten in automatisch erzeugte Verteilerpläne ausdrücklich damit, eine Lücke im BIM-Prozess zu schließen. Wenn gleich mehrere Anbieter von dieser Lücke leben, ist die Doppelarbeit offenbar weit verbreitet.

Was fachlich in einen Verteilerplan gehört (Betriebsmittelkennzeichen, Absicherung, Querschnitt, Kabeltyp, RCD-Zuordnung), steht im Grundlagenartikel Verteilerplan und Stromlaufplan normgerecht erstellen. Hier geht es um den Ablauf.

Der Weg

So würde ich ein solches Büro umstellen: auf den Stromkreis-Rundlauf von BimWired (Pro-Lizenz, Revit 2025 bis 2027). Das Revit-Modell bleibt, wie es ist. Der Ablauf hat vier Schritte.

  1. Der Revit-Befehl „Stromkreisplan senden" sammelt Leuchten, Schalter, Steckdosen und Elektrogeräte mit Raum, Ebene, Anschlussleistung (VA), Spannung und Polzahl und übergibt sie an den Plan-Editor im Browser. Die Excel-Zwischenliste entfällt. Was der Rundlauf nicht zuordnen kann, klassifiziert auf Wunsch eine KI je Familien/Typ-Paar, mit Konfidenzangabe und Vorschau; übernommen wird nur, was Sie bestätigen. Die Grundlagen dazu stehen im Artikel Stromkreise in Revit planen.
  2. Im Plan-Editor bildet „Automatisch aufteilen" je Ebene einen Verteiler („UV EG", „UV 1. OG") und gruppiert thematisch: Licht, Steckdosen, Durchlauferhitzer, Außenbereich. Als Gruppenkopf wählt das Büro „Vorsicherung + FI", also eine D0-Vorsicherung, selektiv zum größten Leitungsschutzschalter der Gruppe ausgelegt (1,6-facher Nennstrom nach DIN VDE 0100-530), plus zentraler RCD je Gruppe. Danach kommt Handarbeit wie bisher, nur an einem Verzeichnis, das am Modell hängt, statt an einer losgelösten Zeichnung: Klemmen je Zeile (1 bis 6, „N entfällt" möglich), Unterzeilen für Abzweige ohne eigene Sicherung, Reserve-Zeilen, Kabel-Vorschläge mit Typbezeichnung (NYM-J 3x2,5 mm², im Außenbereich NYY-J). Feste, deterministische Prüfungen laufen mit: Überlast, RCD-Pflicht, Mindestquerschnitt, mit Bezügen zur DIN 18015. Die Aufteilung selbst bleibt regelbasiert und nachvollziehbar, und die KI ändert nie etwas am Plan.
  3. Das Ergebnis ist ein A3-Plansatz im Querformat, Schriftfeld nach DIN EN ISO 7200, Querverweise nach DIN EN 61082-1: eine aufgelöste einpolige Übersicht mit Schutzorgan, Außenleitern, Klemmen und Kabel je Abgang, Revisionstabelle im Schriftfeld. Für den Planversand gibt es ein mehrseitiges Vektor-PDF, für den Schaltschrankbauer DXF je Blatt (Millimeter, Maßstab 1:1, Text bleibt Text), für die Schränke QR-Etiketten (6 je A4). Jeder Code öffnet einen widerrufbaren Lese-Link nur für diesen einen Verteiler, ohne Personennamen und Projektdaten, auf Wunsch mit Codewort geschützt.
  4. „Stromkreise übernehmen" stempelt Stromkreisnummern und je Einstellung Verteiler, Funktion, Beschreibung, Sicherung, RCD, Kabel und Phasen in die Revit-Elemente. Fehlende Projektparameter legt das Plugin selbst an, und es gibt einen Rückgängig-Schritt. Bei der nächsten Umplanung läuft derselbe Rundlauf noch einmal, statt dass zwei Stände parallel gepflegt werden: Das Stromkreisverzeichnis im Editor führt, das Modell trägt die aktuellen Ergebnisse.
Ein A3-Verteilerplanblatt der Hauptverteilung: Sammelschienen für L1, L2, L3 und N über die volle Blattbreite, darunter Hauptschalter, Wandlermessung, Überspannungsschutz und fünf Abgänge mit Sicherungen, Klemmenleisten und Kabelangaben, unten die Fußzeilen für Stromkreis, Kabel und Beschreibung und das Schriftfeld mit Revisionstabelle.
Blatt 2 aus dem Beispielprojekt der öffentlichen Demo: genau die Zeichnung, die der Editor auch als PDF und als DXF ausgibt.

Beispielrechnung

Alle Annahmen sind meine eigenen, bewusst konservativen Schätzungen für das beschriebene Modellbüro; Kundenmessungen liegen nicht zugrunde. Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein, die Struktur bleibt gleich.

PositionWertArt
Projekte mit Verteilerplänen im Jahr10eigene Annahme
Unterverteiler je Projekt4 (40 im Jahr)eigene Annahme
Neuzeichnen je Verteiler im Zweitwerkzeug3,0 heigene Annahme
Änderungs-Nachpflege je Verteiler über die Projektlaufzeit1,5 heigene Annahme
Interner Stundensatz75 €eigene Annahme
Aufwand im alten Ablauf40 x 4,5 h = 180 h, rund 13.500 € im Jahrdaraus abgeleitet
Verbleibender Aufwand je Verteiler im Rundlauf (Nacharbeit, Prüfung, erneutes Senden)1,5 bis 2,5 heigene Annahme
Gesparte Zeit80 bis 120 h, rund 6.000 bis 9.000 € im Jahrdaraus abgeleitet
Pro-Lizenz für die planende Person4.990 € netto pro Nutzer und JahrListenpreis
Rechnerischer Vorteilrund 1.000 bis 4.000 € netto im Jahrdaraus abgeleitet

Der Break-even liegt dort, wo die gesparte Zeit den Lizenzpreis deckt: 4.990 € geteilt durch 75 € je Stunde sind rund 67 Stunden im Jahr. Fallen je Verteiler im Schnitt zwei oder drei Stunden Doppelarbeit weg, ist diese Schwelle nach 23 bis 34 Verteilern erreicht, im Modellbüro also im Laufe des sechsten bis neunten Projekts eines Jahres. Bei kleinerem Pensum rückt der Punkt deutlich nach hinten: Fünf Projekte mit je zwei Unterverteilern kämen nur auf 20 bis 30 gesparte Stunden und blieben unter der Schwelle. Dann trägt die Lizenz rechnerisch erst, wenn das Büro weitere Pro-Bausteine wie die Leistungsbilanz mitnutzt.

Nicht eingerechnet sind, in beide Richtungen:

  • Einarbeitung und der einmalige Umstellungsaufwand, etwa Familien mit elektrischen Kenndaten zu versehen. Beides schiebt den Break-even im ersten Jahr nach hinten.
  • Projektspezifische Abweichungen: Verteiler, für die der Auftraggeber eine Allpolig-Darstellung oder Aufbaupläne fordert, bleiben im CAE-Werkzeug und sparen nichts.
  • Auf der Habenseite fehlen ebenfalls Posten: vermiedene Übertragungsfehler zwischen Excel, Schema und Modell sowie der Wert der übrigen Pro-Funktionen sind nicht beziffert.

Was davon übertragbar ist

Ob sich das Szenario auf ein anderes Büro übertragen lässt, hängt an vier Bedingungen.

  1. Das Modell muss elektrische Daten tragen: Revit-Familien mit Anschlussleistung, Spannung und Polzahl, zugeordnet zu Räumen und Ebenen. Wie eine solche Bibliothek als Firmenstandard entsteht, beschreibt der Artikel Revit-Familienbibliothek für die TGA aufbauen.
  2. Das Stromkreisverzeichnis muss die führende Quelle werden. Der Gewinn entsteht erst, wenn Änderungen über den Rundlauf laufen und nicht am Modell vorbei im Zweitwerkzeug. Das ist keine Frage der Technik, sondern der Arbeitsorganisation, und nach meiner Erfahrung der Teil der Umstellung, der Disziplin kostet.
  3. Die planende Person braucht eine Pro-Lizenz. Stromkreis-Modul und Verteilerplan-Ausgabe gehören zur Pro-Stufe (4.990 € netto pro Nutzer und Jahr); die Beispielrechnung setzt genau eine solche Lizenz an.
  4. Die Grenzen müssen zum Projekt passen. Der erzeugte Plan ist eine aufgelöste einpolige Übersicht nach DIN EN 61082-1, kein vollständiger Installationsplan und keine interne Geräteverdrahtung. Aufbauplan des Schranks, Allpolig-Darstellung und Kabelberechnung (Spannungsfall, Selektivität) liefert der Rundlauf nicht; wo sie gefordert sind, bleibt das bisherige Werkzeug für diese Blätter im Einsatz.

Häufige Fragen

Ersetzt der Rundlauf eine CAE-Software vollständig?

Nein. Er erzeugt Stromkreisverzeichnisse und aufgelöste einpolige Übersichten als Planlieferung, dazu Vektor-PDF, DXF und QR-Etiketten. Aufbaupläne, Allpolig-Darstellungen und Kabelberechnungen bleiben Aufgaben für CAE- oder Berechnungswerkzeuge. Wo die einpolige Übersicht als Verteilerdokumentation genügt, kommt das Büro mit dem Rundlauf ohne Zweitwerkzeug aus.

Welche Lizenz braucht dieses Szenario?

Eine Pro-Lizenz für die Person, die Stromkreise plant und den Verteilerplan ausgibt (4.990 € netto pro Nutzer und Jahr, Jahreslizenz). Vorher lässt sich BimWired 14 Tage kostenlos testen, ohne Zahlungsdaten.

Was muss das Revit-Modell mitbringen?

Familien mit elektrischen Kenndaten (Anschlussleistung in VA, Spannung, Polzahl) und eine saubere Raum- und Ebenenzuordnung. Elemente, die der Rundlauf nicht erkennt, lassen sich per KI-Vorschlag je Familien/Typ-Paar klassifizieren; die Vorschläge zeigen eine Konfidenz und werden nur nach Ihrer Bestätigung übernommen.

Was passiert bei einer Umplanung?

Derselbe Rundlauf noch einmal: aus Revit senden, im Plan-Editor nacharbeiten, mit „Stromkreise übernehmen" zurückschreiben. Einen zweiten Planstand, der separat nachgezogen werden müsste, gibt es nicht; das Verzeichnis im Editor führt, das Modell trägt die aktuellen Nummern und Parameter. Für das Zurückschreiben gibt es einen Rückgängig-Schritt.

Quellen

  1. Autodesk Community, Revit MEP Forum: Electrical single line diagram. https://forums.autodesk.com/t5/revit-mep-forum/electrical-single-line-diagram/td-p/8667884 (abgerufen am 25.08.2026)
  2. BEEL: Revit Stromlaufplan. https://www.beel.de/revit/revit-stromlaufplan/ (abgerufen am 25.08.2026)
  3. eXs: Elektroplanung in BIM-Projekten. https://www.exs-cae.com/elektroplanung-in-bim-projekten/ (abgerufen am 25.08.2026)

Die 192 Büro-Profile stammen aus der eigenen Ansprache-Kartei von BimWired (Stand August 2026): von uns durchgesehene öffentliche Profile und Internetauftritte, mit einem von uns notierten Ansatzpunkt je Büro. Das Material ist unveröffentlicht und nicht öffentlich verlinkbar; die Zuordnungen sind unsere eigenen, nicht repräsentativ und keine Aussagen der genannten Büros.

Den Rundlauf selbst prüfen

Weiterlesen

Wenn Sie den Rundlauf an einem eigenen Projekt prüfen möchten: BimWired lässt sich 14 Tage kostenlos testen, mit vollem Pro-Umfang und ohne Zahlungsdaten.

Testphase starten; die Lizenzstufen stehen auf der Preisseite. Den Verteilerplan aus diesem Szenario können Sie ohne Konto in der Demo ansehen.