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Kann Revit nach VDE prüfen? Was automatisierbar ist und was Ingenieurleistung bleibt

25. August 2026 12 Min. Lesezeit Rowan Hamid

Nein: Revit bietet von Haus aus keine Kabelberechnung nach den deutschen VDE-Normen; weder Spannungsfall noch Strombelastbarkeit noch Kurzschlussfestigkeit rechnet die Software nach, das räumt selbst der Revit-Elektro-Spezialist BEEL ein. Diese Nachweise entstehen heute in Berechnungswerkzeugen, Einzelrechnern oder Excel, getrennt vom Modell. Automatisieren lässt sich ein Teil der Regelprüfungen, etwa Überlast-Plausibilität, RCD-Pflicht und Mindestquerschnitte, sobald die Stromkreisdaten strukturiert vorliegen. Die rechnerischen Nachweise und ihre Bewertung bleiben Aufgabe der Elektrofachkraft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bordmittel-Lücke ist dokumentiert: Der Revit-Elektro-Spezialist BEEL schreibt selbst, dass Revit keine vollständige Kabelberechnung nach DIN VDE bietet (Spannungsfall, Kurzschlussfestigkeit, Strombelastbarkeit). Erweiterungen wie MagiCAD verkaufen laut tab-Advertorial genau diese Berechnung.
  • Die Prüfkette hat feste Zuständigkeiten: DIN VDE 0100-410 (RCD-Schutz), DIN VDE 0100-520 (Spannungsfall), DIN VDE 0298-4 (Strombelastbarkeit), DIN 18015-1 (Wohngebäude), VDE-AR-N 4100 mit örtlicher TAB (Netzanschluss).
  • Spannungsfall in Zahlen, jeweils laut elektro.net: 0,5 % im Hauptstromversorgungssystem (VDE-AR-N 4100 mit Paragraf 13 NAV), im Wohnbau höchstens 3 % hinter der Messeinrichtung (DIN 18015-1); Tabelle G.52.1 der DIN VDE 0100-520 nennt 3 %/5 % für Anlagentyp A und 6 %/8 % für Typ B.
  • Regelhaft automatisierbar ist, was ohne Rechenmodell aus Struktur und Attributen des Plans folgt. Spannungsfall mit realen Längen, Strombelastbarkeit je Verlegeart, Selektivität und Kurzschluss bleiben Berechnung und Bewertung der Fachkraft.
  • In einer internen Auswertung von 192 Zielkunden-Profilen nennen 15 die VDE-Nachweise ausdrücklich als Schmerzpunkt: geprüft wird „Zeile für Zeile von Hand", in Excel neben dem Modell.

Überblick

PunktDetail
Bordmittel-LageRevit bietet laut BEEL keine vollständige Kabelberechnung nach DIN VDE; Erweiterungen verkaufen genau diese Berechnung (tab-Advertorial zu MagiCAD)
Maßgebliche RegelwerkeDIN VDE 0100-410, DIN VDE 0100-520, DIN VDE 0298-4, DIN 18015-1, VDE-AR-N 4100 mit örtlicher TAB
Spannungsfall-Grenzwerte0,5 % im Hauptstromversorgungssystem; höchstens 3 % dahinter im Wohnbau; Tabelle G.52.1: 3 %/5 % (Typ A) und 6 %/8 % (Typ B), jeweils laut elektro.net
Regelhaft automatisierbarÜberlast-Plausibilität, RCD-Pflicht, Mindestquerschnitte, Struktur- und Zählregeln
IngenieurleistungSpannungsfall mit realen Längen, Strombelastbarkeit je Verlegeart, Selektivität, Kurzschlussfestigkeit, Netzform
Typische Werkzeuge heuteExcel, Einzelrechner (ElekRechner), Netzberechnung (Siemens Simaris), Revit-Erweiterungen (MagiCAD, elkoBIM)
BimWired (Einordnung)Stromkreis-Modul (Pro-Lizenz) mit deterministischer VDE-Regelprüfung beim Planen; berechnet ausdrücklich keinen Spannungsfall und keine Selektivität; Zugang über Warteliste

Kann Revit nach VDE rechnen?

Revit enthält keine Kabelberechnung nach den deutschen VDE-Normen; wer Spannungsfall, Strombelastbarkeit oder Kurzschlussfestigkeit nachweisen will, braucht ein zweites Werkzeug. Der deutlichste Beleg stammt von einem Anbieter, der von Revit-Elektroplanung lebt: „Revit bietet keine vollständige Kabelberechnung nach DIN VDE (Spannungsfall, Kurzschlussfestigkeit, Strombelastbarkeit)", schreibt BEEL auf der eigenen Themenseite zur Kabelplanung. Zum selben Bild passt die Werbung der Erweiterungen: Im Advertorial der Fachzeitschrift tab positioniert MagiCAD die eigene Spannungsfall- und Kabeldimensionierungs-Berechnung als zentrales Argument für den Zukauf. Wäre die Berechnung Bordmittel, gäbe es dieses Verkaufsargument nicht.

Wichtig für die Einordnung: Mit BIM ändern sich die Pflichten nicht. Die DKE fordert für elektrotechnische Installationen im BIM-Umfeld einheitliche Standards und stellt zugleich klar, dass die Normenreihe DIN VDE 0100 verbindlich bleibt. Die Frage ist also nicht, ob die Nachweise geführt werden, sondern wo, mit welchen Daten und wie schnell sie nach einer Umplanung wieder stimmen. Wie Sie die Stromkreis-Logik der Bordmittel überhaupt auf deutsche Arbeitsweise einstellen, behandelt der Beitrag Stromkreise in Revit planen; dieser Artikel ordnet die Prüf- und Nachweisseite.

Welche VDE-Nachweise verlangt die Elektroplanung?

Für jeden Endstromkreis beantwortet die Elektroplanung mindestens vier Fragen: Ist der Schutz gegen elektrischen Schlag sichergestellt, trägt die Leitung den Strom dauerhaft, bleibt der Spannungsfall im Rahmen, und erfüllt die Anlage die Planungsgrundlagen des Gebäudetyps? Jede dieser Fragen hat eine eigene normative Heimat und in der Praxis ein eigenes Werkzeug.

Norm oder RegelwerkKernfrageWoher die Antwort heute kommt
DIN VDE 0100-410:2018-10Wo sind RCDs mit höchstens 30 mA Pflicht? Laut DKE-Normenhinweis bei Steckdosen-Stromkreisen bis 32 A, in Wohnungen auch bei BeleuchtungsstromkreisenRegelwissen, Checklisten
DIN VDE 0100-520:2013-06Bleibt der Spannungsfall der Verbraucheranlage im Rahmen? Empfehlungswerte stehen in Tabelle G.52.1Excel, Einzelrechner, Berechnungssoftware
DIN VDE 0298-4:2023-06Trägt Kabel oder Leitung den Strom dauerhaft? Die Norm regelt die Strombelastbarkeit nach Verlegeart, laut elektrofachkraft.de inklusive der neuen Referenzverlegeart 23Tabellenwerk, Berechnungssoftware
DIN 18015-1:2020-05Erfüllt die Wohnbau-Anlage die Planungsgrundlagen? Unter anderem Spannungsfall 0,5 %/3 %, Zählerplatz mindestens 63 A, Aufteilung der Stromkreise auf RCDs (Fachartikel in „de" 12/2020)Planungsregeln, Leistungsbilanz
VDE-AR-N 4100 und örtliche TABPasst der Anschluss ans Niederspannungsnetz?Abstimmung mit dem Netzbetreiber
Selektivität, laut StromKompass u. a. in der DIN 18015-1 normativ verankertSchaltet im Fehlerfall nur die unmittelbar vorgeschaltete Schutzeinrichtung ab?Netzberechnung, Herstellerdaten
DIN VDE 0100-718Bleiben sicherheitsrelevante Anlagen wie die Sicherheitsbeleuchtung in öffentlichen Einrichtungen im Brandfall betriebsfähig (Funktionserhalt E30/E60/E90)? So erläutert bei BauNetz WissenFachplanung Sicherheitstechnik

Zur Einordnung: Die Bundesnetzagentur referenziert die VDE-AR-N 4100 als maßgebliches Anschluss-Regelwerk; der Bundesmusterwortlaut der TAB 2023 ist beim BDEW frei abrufbar, verbindlich vor Ort bleibt die TAB des Netzbetreibers. VDE FNN nennt bereits die Folgeausgabe VDE-AR-N 4100:2026-04; Ausgabestände gehören deshalb in gepflegte Vorlagen. Wie aus den Vorgaben der DIN 18015-1 eine belastbare Anschlussbewertung wird, zeigt der Beitrag Leistungsbilanz nach DIN 18015-1.

Warum ist der Spannungsfall ein Problemfall?

Der Spannungsfall ist der Nachweis mit den meisten Stolperfallen: Mehrere Regelwerke greifen mit unterschiedlichen Strecken und Grenzwerten ineinander, und die maßgebliche Norm wurde jahrelang unterschiedlich gelesen.

Die Grenzwerte verteilen sich auf zwei Abschnitte der Anlage. Vom Hausanschlusskasten bis zur Messeinrichtung gilt die 0,5-Prozent-Grenze: Nach dem frei verfügbaren Fachartikel „Spannungsfall richtig koordinieren" (D. Sofic, Zeitschrift „de" 21/2020) fordert die VDE-AR-N 4100 in Abschnitt 6.2.5 mit Bezug auf Paragraf 13 NAV, dass der Spannungsfall im Hauptstromversorgungssystem 0,5 % der Nennspannung nicht überschreitet; Bezugsgröße ist der Bemessungsstrom der Hausanschlusssicherung, bei Wohngebäuden mindestens 63 A. Hinter der Messeinrichtung empfiehlt die DIN 18015-1 für Wohngebäude höchstens 3 % bis zum Verbrauchsmittel (so der Fachartikel zur Norm in „de" 12/2020). Für Verbraucheranlagen allgemein nennt Tabelle G.52.1 der DIN VDE 0100-520:2013-06 laut einem elektro.net-Praxisproblem 3 % für Beleuchtung und 5 % für andere Verbraucher bei Versorgung aus dem öffentlichen Netz (Anlagentyp A) sowie 6 % beziehungsweise 8 % bei eigener Einspeisung (Anlagentyp B).

Wie fehleranfällig selbst das Regelwerk ist, zeigt die DIN VDE 0100-520: Die Fachzeitschrift Elektropraktiker dokumentiert, wie eine missverständliche Formulierung zu massiven Fehlinterpretationen führte. In einem dokumentierten Rechenbeispiel ergab sich je nach Lesart eine zulässige Leitungslänge von 22,6 m oder von 3,59 m, und die DKE musste nacharbeiten. Wer „einfach nachrechnet", braucht also zuerst die richtige Lesart und die richtige Bezugsstrecke.

In der Praxis läuft der Nachweis deshalb meist außerhalb des Modells: Kostenlose Einzelrechner wie der von ElekRechner liefern Prozent- und Volt-Werte je Stromkreis, ohne Projektzusammenhang. Das Revit-Modell wiederum liefert ohne gepflegte Trassenführung keine belastbaren Leitungslängen; ein Luftlinien- oder Achsmaß ist keine Nachweislänge. Beides erklärt, warum der Spannungsfall unten auf der Seite der Ingenieurleistung steht.

Was ist regelhaft automatisierbar, was bleibt Ingenieurleistung?

Regelhaft automatisieren lässt sich, was ohne Rechenmodell aus Struktur und Attributen des Stromkreisplans folgt; alles, was reale Längen, Verlegearten, Netzdaten oder Kennlinien braucht, bleibt Berechnung und Bewertung der Elektrofachkraft.

Prüfung oder NachweisRegelhaft automatisierbar?Warum, und wo es hingehört
Überlast-Plausibilität: Nennstrom der Sicherung gegen LeitungsquerschnittJa, als RegelprüfungFeste Zuordnungslisten decken den Standardfall; Abweichungen durch Häufung oder Wärme gehören zur Strombelastbarkeits-Bewertung
RCD-Pflicht je StromkreisJaKreistyp und Raumart genügen; die 30-mA-Pflichtfälle nennt der DKE-Normenhinweis zur DIN VDE 0100-410 (siehe Prüfkette oben)
Mindestquerschnitte, etwa für AußenbereicheJaEinfache Untergrenzen je Kreisart, aus Attributen prüfbar
Strukturregeln der Sicherheitstechnik: eigene Kreise, nicht hinter dem RCD allgemeiner KreiseJaAus der Plantopologie ablesbar; sinnvoll als Meldung, nicht als stille Korrektur
Zählregeln wie die Aufteilung der Stromkreise auf RCDsJaDer Fachartikel zur DIN 18015-1 („de" 12/2020) nennt für die Anlagenverfügbarkeit höchstens zwei einphasige Endstromkreise je zweipoligem und sechs je vierpoligem FI-Schalter
Vorauswahl von Vorsicherungen nach fester StaffelregelJa, als VorauswahlEine deterministische Auswahlregel liefert einen Startwert; sie ersetzt keinen Selektivitätsnachweis über Kennlinien
Spannungsfall mit realen LeitungslängenNeinBraucht Längen, Verlegeweg, Belastung und die richtige Bezugsstrecke; Berechnungswerkzeug plus Bewertung der Fachkraft
Strombelastbarkeit nach DIN VDE 0298-4:2023-06NeinHängt von Verlegeart, Häufung und Umgebungstemperatur ab; Tabellenwerk der Norm und Bewertung der Fachkraft
SelektivitätNeinVerlangt Kennlinienvergleich mit Herstellerdaten in der Netzberechnung; zur Definition siehe Prüfkette oben (StromKompass)
Kurzschlussfestigkeit und KurzschlussströmeNeinHängen von den Netzverhältnissen am Einspeisepunkt ab; Netzberechnung
Netzform und SchutzkonzeptNeinPlanerische Grundsatzentscheidung der Elektrofachkraft

Der Maßstab ist einfach: Automatisierbar ist, was aus Plan-Attributen wie Kreistyp, Raumart, Querschnitt, Sicherungswert und Topologie folgt und bei gleichen Eingaben dieselbe Meldung erzeugt. Sobald reale Geometrie, physikalische Randbedingungen oder Netzdaten eingehen, ist es eine Berechnung, und die gehört in Nachweiswerkzeuge und in die Verantwortung der Elektrofachkraft. KI verschiebt diese Grenze nicht: Ein Sprachmodell kann auf Auffälligkeiten hinweisen, ein Hinweis ist aber keine Normprüfung.

Wie führen deutsche Büros die VDE-Nachweise heute?

Die Nachweispraxis deutscher Büros ist dreigeteilt: Tabellen und Einzelrechner für den Einzelfall, Netzberechnungs- und CAE-Software für größere Anlagen, Revit-Erweiterungen für die modellnahe Berechnung.

Am verbreitetsten ist die Handarbeit. In einer internen Auswertung von 192 Zielkunden-Profilen nennen 15 die VDE-Nachweise ausdrücklich als Schmerzpunkt, typisch formuliert als Prüfung „Zeile für Zeile von Hand": Excel-Tabellen und Einzelrechner, je Stromkreis neu gefüttert, ohne Verbindung zum Modell. Das funktioniert, veraltet aber mit jeder Umplanung, weil selten jemand alle Zeilen nachzieht.

Darüber liegt die Berechnungswelt: Netzberechnungswerkzeuge wie Siemens Simaris decken Dimensionierung und Nachweise ab, CAE-Systeme führen die Dokumentation mit eigener Datenhaltung. Wer bereits eine CAE-Landschaft betreibt, führt die Nachweise dort; der Preis ist die doppelte Datenpflege zwischen Modell und Berechnungsprogramm. Der dritte Weg sind Revit-Erweiterungen wie MagiCAD, die laut tab-Advertorial genau die fehlende Spannungsfall- und Kabeldimensionierung nachrüsten, oder das Schulungs- und Werkzeugumfeld von BEEL (elkoBIM). Alle drei Wege sind etabliert; entscheidend für den Alltag ist, wie oft Gerätelisten, Stromkreise und Nachweise doppelt gepflegt werden.

Was fängt eine Regelprüfung im modellgespeisten Workflow ab?

Eine Regelprüfung im modellgespeisten Workflow ist ein Sicherheitsnetz, kein Nachweis: Sie wendet feste, deterministische Regeln bei jeder Planänderung neu an und meldet Konflikte sofort, statt sie bis zur Schlussdurchsicht liegen zu lassen. Werkzeugneutral beschrieben läuft das so ab:

  1. Die Elektro-Elemente kommen mit Raum, Ebene und Leistungsdaten strukturiert aus dem Revit-Modell.
  2. Die Stromkreise werden im Plan-Editor strukturiert: Verteiler, Gruppen, Reserven, Kabelvorschläge.
  3. Bei jeder Änderung laufen die Regelprüfungen mit: Überlast-Plausibilität, RCD-Pflicht, Mindestquerschnitte, Struktur- und Zählregeln.
  4. Die Meldungen bewertet die Elektrofachkraft; die rechnerischen Nachweise (Spannungsfall, Strombelastbarkeit, Selektivität, Kurzschluss) laufen weiter im Berechnungswerkzeug.
  5. Die Ergebnisse (Stromkreisnummern, Sicherungen, Kabel) gehen zurück ins Modell, damit Plan, Modell und Nachweisliste denselben Stand behalten.

Der Gewinn liegt nicht in „mehr Automatik": Konflikte fallen auf, solange ihre Behebung wenig kostet, und dieselben Regeln gelten im ganzen Büro einheitlich. Diesen Zuschnitt verfolgt zum Beispiel das Stromkreis-Modul von BimWired, dessen Regelprüfungen beim Aufteilen der Stromkreise mitlaufen. Wo das Sicherheitsnetz endet, zeigt die Tabelle oben: am ersten Nachweis, der echte Längen oder Netzdaten braucht.

So hilft BimWired

BimWired ist eine Cloud-Webanwendung mit Revit-Plugin (Revit 2025, 2026 und 2027) für Planungsbüros. Im Stromkreis-Modul (Pro-Lizenz) laufen beim Planen deterministische VDE-Regelprüfungen mit: Überlast (Nennstrom der Sicherung gegen Querschnitt), RCD-Pflicht, Mindestquerschnitte und DIN-18015-Bezüge. Sicherheitstechnik wie RWA, BMZ, EMZ oder Brandschutztüren erhält bei der automatischen Aufteilung eigene Kreise (B16A, 3x2,5 mm²), bewusst ohne RCD hinter eigenem Gruppenkopf; hängt ein solcher Kreis doch hinter einem RCD, meldet die Prüfung den Konflikt mit Verweis auf DIN VDE 0100-560. D0-Vorsicherungen wählt die Aufteilung selektiv zum größten nachgelagerten Leitungsschutzschalter (1,6-facher Nennstrom nach DIN VDE 0100-530). Optional ergänzt der KI-Prüfblick höchstens zehn Hinweise; er ändert nie etwas am Plan und ist ausdrücklich keine Normprüfung, sondern eine zweite Meinung, die Sie prüfen.

Genauso wichtig ist, was BimWired nicht tut: Es berechnet keinen Spannungsfall, keine Strombelastbarkeit nach DIN VDE 0298-4, keine Selektivität und keine Kurzschlussfestigkeit. Diese Nachweise führen Sie weiterhin in Ihren Berechnungswerkzeugen; die Regelprüfung ersetzt sie nicht, sie hält den Plan bis dahin widerspruchsfrei. Die Ergebnisse (Stromkreisnummern, Sicherungen, Kabel) schreibt das Plugin nach Revit zurück, und aus denselben Daten entsteht der Verteilerplan als Übersicht (einpolig).

Häufige Fragen (FAQ)

Kann Revit den Spannungsfall nach VDE berechnen?

Nein. Der Revit-Elektro-Spezialist BEEL hält auf der eigenen Themenseite fest, dass Revit keine vollständige Kabelberechnung nach DIN VDE bietet; ausdrücklich genannt werden Spannungsfall, Kurzschlussfestigkeit und Strombelastbarkeit. Der Nachweis entsteht deshalb in Einzelrechnern, Excel oder Berechnungssoftware, oder über Revit-Erweiterungen, deren zentrales Verkaufsargument laut einem Advertorial in der Fachzeitschrift tab genau diese Kabeldimensionierung ist.

Spannungsfall: gelten 3 oder 5 Prozent?

Beides, je nach Strecke und Verbraucher. Tabelle G.52.1 der DIN VDE 0100-520:2013-06 nennt laut elektro.net für Anlagen am öffentlichen Netz (Typ A) 3 % für Beleuchtung und 5 % für andere Verbraucher, bei eigener Einspeisung (Typ B) 6 % beziehungsweise 8 %. Für Wohngebäude empfiehlt die DIN 18015-1 höchstens 3 % hinter der Messeinrichtung; davor gilt nach VDE-AR-N 4100 und Paragraf 13 NAV die Grenze von 0,5 % im Hauptstromversorgungssystem.

Welche Prüfungen lassen sich beim Planen automatisieren?

Regelhaft prüfbar ist, was ohne Rechenmodell aus den Plan-Attributen folgt: die Überlast-Plausibilität von Sicherung und Querschnitt, die RCD-Pflicht nach Kreistyp und Raumart, Mindestquerschnitte, Zählregeln wie die Aufteilung der Stromkreise auf mehrere RCDs und Strukturregeln wie getrennte Kreise für die Sicherheitstechnik. Solche Prüfungen arbeiten deterministisch und melden Konflikte bei jeder Planänderung sofort.

Was bleibt trotz Software Aufgabe der Elektrofachkraft?

Alle rechnerischen Nachweise und ihre Bewertung: der Spannungsfall mit realen Leitungslängen, die Strombelastbarkeit nach DIN VDE 0298-4 je Verlegeart, die Selektivität über Auslösekennlinien, die Kurzschlussfestigkeit sowie Netzform und Schutzkonzept. Die DKE stellt für das BIM-Umfeld klar, dass die Normenreihe DIN VDE 0100 verbindlich bleibt; die Verantwortung trägt die Fachkraft, nicht das Werkzeug.

Mit welcher Software führen deutsche Büros die VDE-Nachweise heute?

Verbreitet sind drei Wege: Excel und kostenlose Einzelrechner wie die von ElekRechner für den Einzelfall, Netzberechnungswerkzeuge der Hersteller wie Siemens Simaris für Dimensionierung und Nachweise sowie Revit-Erweiterungen wie MagiCAD, die Spannungsfall- und Kabelberechnung modellnah nachrüsten. Alle drei Wege sind etabliert; sie unterscheiden sich vor allem darin, wie oft dieselben Daten doppelt gepflegt werden.

Ersetzt eine automatische Regelprüfung die Normprüfung nach VDE?

Nein. Eine Regelprüfung ist ein Sicherheitsnetz, das feste Plausibilitäts- und Strukturregeln kontinuierlich anwendet; sie führt keine rechnerischen Nachweise und ersetzt weder Berechnung noch Bewertung durch die Elektrofachkraft. Versprechen einer vollautomatischen VDE-Konformität sollten Sie an genau dieser Grenze messen.

Quellen

  1. BEEL: Revit Kabel (Themenseite Kabelplanung). https://www.beel.de/revit/revit-kabel/ (abgerufen am 25.08.2026)
  2. tab: MagiCAD-Advertorial zur Elektroplanung in Revit. https://www.tab.de/artikel/advertorial-magicad-so-koennen-sie-in-revit-auch-elektro-planen-4021922.html (abgerufen am 25.08.2026)
  3. DKE: Building Information Modeling (Arbeitsfeld-Seite). https://www.dke.de/de/arbeitsfelder/industry/building-information-modeling (abgerufen am 25.08.2026)
  4. DKE: Hinweise zum erleichterten Umgang mit DIN VDE 0100-410. https://www.dke.de/de/arbeitsfelder/core-safety/normenhinweise/konzept-0100-410 (abgerufen am 25.08.2026)
  5. elektrofachkraft.de: DIN VDE 0298-4, Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen. https://www.elektrofachkraft.de/sicheres-arbeiten/din-vde-0298-4-strombelastbarkeit-von-kabeln-und-leitungen (abgerufen am 25.08.2026)
  6. D. Sofic: Spannungsfall richtig koordinieren, Zeitschrift „de" 21/2020 (Volltext-PDF). https://www.elektro.net/media/file/rRnRreLDo4/570b31f0/DE_2020_21_20-26_EA41_LOW.pdf (abgerufen am 25.08.2026)
  7. elektro.net: Elektroplanung in Wohngebäuden (zur DIN 18015-1:2020-05), Zeitschrift „de" 12/2020 (Volltext-PDF). https://www.elektro.net/media/file/Kwqzk199w7/fd7e48cc/DE_12_2020_31-34_EA42neu.pdf (abgerufen am 25.08.2026)
  8. elektro.net Praxisproblem: Spannungsfall in Verbraucheranlagen nach VDE 0100-520, Tabelle G.52.1. https://www.elektro.net/praxisprobleme/spannungsfall-in-verbraucheranlagen-nach-vde-0100-520-tabelle-g-52-1/ (abgerufen am 25.08.2026)
  9. Elektropraktiker: DIN VDE 0100-520, der Spannungsfall als Problemfall. https://www.elektropraktiker.de/nachrichten/nachricht/din-vde-0100-520-der-spannungsfall-als-problemfall?p=all (abgerufen am 25.08.2026)
  10. ElekRechner: Spannungsfall-Rechner. https://www.elekrechner.com/rechner/leitung/spannungsfall (abgerufen am 25.08.2026)
  11. VDE FNN: Technische Anschlussregeln Niederspannung (TAR Niederspannung). https://www.vde.com/de/fnn/themen/tar/tar-niederspannung (abgerufen am 25.08.2026)
  12. BDEW: TAB 2023, Technische Anschlussbedingungen Strom. https://www.bdew.de/energie/tab-2023/ (abgerufen am 25.08.2026)
  13. Bundesnetzagentur, Beschlusskammer 6: VDE-AR-N 4100 (amtliche Referenzierung). https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Beschlusskammern/BK06/BK6_92_exLink/VDE-AR-N_4100.html (abgerufen am 25.08.2026)
  14. StromKompass ElektroSpicker #008: Selektivität. https://stromkompass.de/elektrospicker/selektivitaet/ (abgerufen am 25.08.2026)
  15. BauNetz Wissen: Elektroinstallation in öffentlichen Einrichtungen und Arbeitsstätten (DIN VDE 0100-718). https://www.baunetzwissen.de/elektro/fachwissen/elektroinstallation-in-gebaeuden/elektroinstallation-in-oeffentlichen-einrichtungen-und-arbeitsstaetten-5266336 (abgerufen am 25.08.2026)
  16. Interne Auswertung von 192 Zielkunden-Profilen (BimWired, Stand August 2026, unveröffentlichtes Arbeitsmaterial).

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